Libretti vom 'Mittelalter' : Entdeckungen von Historie in der (nord)deutschen und europäischen Oper um 1700 (Frühe Neuzeit 134) (2009. IX, 493 S. 21 b/w ill.)

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Die vorliegende Studie fragt nach der Relevanz ,mittelalterlicher' Sujets in der Oper der frühen Neuzeit und versucht mithin den Beitrag des Genres, das sich mit Blick auf seine humanistisch-renaissancezeitlichen Wurzeln gemeinhin eher als Sachwalter und Vermittler antiker (Stoff-)Traditionen darstellt, für eine Rezeption des ,Mittelalters' als einer historischen Periode an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert zu bestimmen.
Ihren Ausgangspunkt nimmt die interdisziplinär angelegte Untersuchung von einer ausgreifenden heuristischen Erschließung entsprechender Stoffe und Werke an 15 bedeutenden Opernzentren im Reich, in Italien, Frankreich und England. Ein signifikantes Resultat dieser Bestandsaufnahme ist der speziell für das norddeutsche Musiktheater um 1700 charakteristische Typus der ,dynastischen Mittelalteroper', der sich für die Fragestellung und Perspektive der Arbeit als überaus fruchtbar erweist und dem sich die detaillierten Analysen des Hauptteils in ihrer jeweiligen Zusammenschau von konkretem Libretto (Haupt- und Paratexte), Partitur, zeitgenössischer Inszenierungspraxis und kulturgeschichtlichen Kon-texten eingehend widmen. Dabei werden nicht nur die Verschiebungen aufgezeigt, die zwischen höfischer (Braunschweig, Hannover) und städtischer bzw. stadtrepublikanischer (Hamburg) Repräsentations- und Memorialkultur zu Tage treten, sondern auch Spielräume des Dramma per musica - das im Anschluss an den aktuellen historisch-wissenschaftlichen Diskurs der Zeit auf das ,Mittelalter'als Ursprungs- oder Frühraum der je eigenen Geschichte rekurriert - zwischen politisch motivierter Funktionsoper einerseits und genuiner Historienoper andererseits offengelegt.

§06§§Die Buchreihe Frühe Neuzeit - begründet 1987 von Jörg Jochen Berns, Gotthard Frühsorge, Klaus Garber, Wilhelm Kühlmann und Jan-Dirk Müller - dient der Grundlagenforschung in Editionen, Monographien und Sammelbänden. Dabei strebt sie nicht die großräumige Überschau an, die vorschnelle Synthese oder prätentiöse Konstruktion, sondern nimmt den Umweg über die Arbeit am Detail und die Erkundung verschütteter Traditionszusammenhänge.§ §15§§Die vorliegende Studie fragt nach der Relevanz ,mittelalterlicher' Sujets in der Oper der frühen Neuzeit und versucht mithin den Beitrag des Genres, das sich mit Blick auf seine humanistisch-renaissancezeitlichen Wurzeln gemeinhin eher als Sachwalter und Vermittler antiker (Stoff-)Traditionen darstellt, für eine Rezeption des ,Mittelalters' als einer historischen Periode an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert zu bestimmen. § Ihren Ausgangspunkt nimmt die interdisziplinär angelegte Untersuchung von einer ausgreifenden heuristischen Erschließung entsprechender Stoffe und Werke an 15 bedeutenden Opernzentren im Reich, in Italien, Frankreich und England. Ein signifikantes Resultat dieser Bestandsaufnahme ist der speziell für das norddeutsche Musiktheater um 1700 charakteristische Typus der ,dynastischen Mittelalteroper', der sich für die Fragestellung und Perspektive der Arbeit als überaus fruchtbar erweist und dem sich die detaillierten Analysen des Hauptteils in ihrer jewei §15§ligen Zusammenschau von konkretem Libretto (Haupt- und Paratexte), Partitur, zeitgenössischer Inszenierungspraxis und kulturgeschichtlichen Kon-texten eingehend widmen. Dabei werden nicht nur die Verschiebungen aufgezeigt, die zwischen höfischer (Braunschweig, Hannover) und städtischer bzw. stadtrepublikanischer (Hamburg) Repräsentations- und Memorialkultur zu Tage treten, sondern auch Spielräume des Dramma per musica - das im Anschluss an den aktuellen historisch-wissenschaftlichen Diskurs der Zeit auf das ,Mittelalter'als Ursprungs- oder Frühraum der je eigenen Geschichte rekurriert - zwischen politisch motivierter Funktionsoper einerseits und genuiner Historienoper andererseits offengelegt. §§ §07§§The book series 'Frühe Neuzeit' - founded in 1987 by Jörg Jochen Berns, Gotthard Frühsorge, Klaus Garber, Wilhelm Kühlmann and Jan-Dirk Müller - publishes editions, monographs and collected volumes advancing fundamental research in the field. It does not seek to produce wide-ranging overviews, premature syntheses or pretentious constructions but takes the long route of detailed work and the exploration of submerged traditions § §§ §01§Christian Seebald, Universität zuKöln.

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